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NDR/WDR/SZ: Missbrauchsfall Lügde - mögliches Beweismaterial verbrannt?

 
 
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Hamburg (ots) - Im Fall des Missbrauchsskandals auf einem
Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat es offenbar eine
weitere erhebliche Ermittlungspanne gegeben. Möglicherweise ist
Beweismaterial zerstört worden. Nach Informationen von NDR, WDR und
Süddeutscher Zeitung haben Polizei und Staatsanwaltschaft einen
Schuppen des Hauptbeschuldigten erst durchsucht, nachdem der
Verschlag von einem Abrissunternehmer bereits Tage zuvor entrümpelt
worden war. In einer gemeinsamen Pressemitteilung am Montagabend
erwähnen die Ermittler das nicht. Sie erklärten, bislang nicht
gewusst zu haben, dass der Schuppen dem Hauptverdächtigen zuzuordnen
sei.

Der mutmaßliche Tatort auf dem Campingplatz in Lügde ist seit Ende
März von den Ermittlern offiziell freigegeben worden. Der
Abrissunternehmer Christopher Wienberg aus Bad Pyrmont hatte den
Auftrag für den Abriss der Campingplatz-Behausung des
Hauptverdächtigen erhalten. Gegenüber Reportern von NDR, WDR und
Süddeutscher Zeitung sagte er, seine Mitarbeiter und er hätten aus
dem Schuppen mehrere Kisten herausgetragen und in Container mit
Abrissschutt geworfen. Sie hätten die Kisten dabei nicht durchsucht.
"Es ist ja eigentlich auch nicht unsere Aufgabe nach Spuren hier zu
suchen oder zu gucken, ob irgendwo was vergessen wurde", so Wienberg.
Die Container mit dem Schutt wurden anschließend zu einer
Müllverbrennungsanlage gefahren.

Die zuständige Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft
Detmold ließen eine Anfrage unbeantwortet, ob damit möglicherweise
Beweismaterial vernichtet worden sei.

Reporter von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatten am
Montagnachmittag bei der Polizei Bielefeld angefragt, ob der Schuppen
in direkter Nähe zur Parzelle des Hauptverdächtigen durchsucht worden
sei. Polizei und Staatsanwaltschaft beantworteten diese Frage
ebenfalls nicht. In einer gemeinsamen Pressemitteilung teilten sie
allerdings Stunden später mit, sie hätten im Rahmen von Ermittlungen
auf dem Campingplatz in Lügde einen Geräteverschlag festgestellt, der
dem Hauptbeschuldigten zuzuordnen sei. Bei einer Durchsuchung seien
Werkzeuge und Metallschrott gefunden worden, allerdings keine
Gegenstände, die als Beweismittel in Frage kämen. Diese Durchsuchung
hatte allerdings erst nach der Anfrage der Reporter und damit auch
drei Tage nach der Entrümpelung durch den Abrissunternehmer
stattgefunden.

Die Abrissarbeiten auf der Parzelle des Hauptverdächtigen im Fall
Lügde wurden von der Polizei nicht überwacht. Die Bauarbeiter haben
in den vergangenen Tagen mehrfach Datenträger im Schutt gefunden,
darunter mehrere CDs, Disketten und Videokassetten.

Anwalt Roman von Alvensleben, der ein minderjähriges Opfer
vertritt, sagte, er habe noch nie einen Fall erlebt, bei dem derart
nachlässig und fehlerhaft ermittelt worden sei. "Das jetzt ein ganzer
Schuppen, der sich gerade dazu eignet, Dinge zu verstecken,
unbeachtet geblieben ist, erscheint schon sehr grotesk."

Der innenpolitische Sprecher der SPD im nordrhein-westfälischen
Landtag, Hartmut Ganzke, sagte bereits gestern NDR, WDR und
Süddeutscher Zeitung, er wolle nicht mehr von Ermittlungspannen
sprechen. Er beschrieb die Ermittlungen als "das reinste Chaos".
Damit die Bevölkerung wieder Vertrauen gewinne, müsse
Nordrhein-Westfalens Innenminister, Herbert Reul (CDU), Verantwortung
übernehmen und zurücktreten.



Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Yannick Christmann
Tel: 040 / 4156 2312
Mail: y.christmann@ndr.de

http://www.ndr.de
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Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

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ID: 138071 | Quelle: ots | Datum: 16.04.2019

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