Kölner Stadt-Anzeiger: Evangelische Frauen attackieren EKD-Spitze Nicht ein bisschen Einfühlung in die Situation der Opfer

 
 
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Köln (ots) - Unmittelbar vor Beginn der Synode der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD) vom 11. bis 14. November in Würzburg
wirft die Vorsitzende der "Evangelischen Frauen in Deutschland"
(EFiD), Susanne Kahl-Passoth, der EKD schwere Versäumnisse im Umgang
mit dem Problem sexuellen Missbrauchs vor. "Wir tun in der EKD so,
als ob Missbrauch bei uns nicht so vorgekommen wäre. Eine
Auseinandersetzung mit Ursachen und begünstigenden Strukturen fehlt
völlig", sagte Kahl-Passoth dem "Kölner Stadt-Anzeiger"
(Samstag-Ausgabe). Einen Vergleich mit der katholischen Kirche und
den Hinweis auf deren höhere Fallzahlen nannte die pensionierte
Kirchenrätin und Ex-Chefin der Berliner Diakonie "zynisch" mit Blick
auf die Betroffenen. "Es gibt immer noch Leute, den
EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm eingeschlossen, die mit
dem Thema Missbrauch am liebsten nichts zu tun hätten und sich nicht
ein bisschen in die Situation der Opfer einfühlen." Deren Forderungen
würden als unangenehm, lästig oder sogar unbillig abgetan - nach dem
Motto, "was denken die sich eigentlich, und was wollen die von uns?"
Ähnlich äußerte sich auch die frühere Familienministerin Christine
Bergmann, die der Missbrauchskommission der Bundesregierung angehört.
Sie beklagte in puncto Aufklärung einen evangelischen Flickenteppich.
"Es gibt keine zentrale Stelle, jede Landeskirche geht nach eigenen
Konzepten vor. Die Standards sind so unterschiedlich, dass
Intransparenz die logische Folge ist. Das macht es nicht zuletzt den
Betroffenen schwer, mit der Kirche ins Gespräch zu kommen", sagte
Bergmann der Zeitung. Als erste Schritte forderte sie einen
hochrangigen EKD-Missbrauchsbeauftragten, wie ihn die katholische
Kirche mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann schon seit 2010
hat, eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene und deren Beteiligung
an allen Prozessen der Aufarbeitung. "Die Zeit der Entschuldigungen
ist vorbei. Es muss jetzt endlich verbindliche Standards und
greifbare Hilfen geben." Erste Vorschläge aus der Kirchenkonferenz
der EKD, der Versammlung der leitenden Geistlichen aus den 20
Mitgliedskirchen der EKD, gingen "in die richtige Richtung", so
Bergmann weiter. Hier weiter voranzukommen, sei die evangelische
Kirche auch der Gesellschaft schuldig, die ihr wichtige Aufgaben etwa
in der Jugendhilfe übertragen habe. "Der damit verbundenen
Verantwortung ist die evangelische Kirche, was den Umgang mit dem
Missbrauchsproblem betrifft, bislang überhaupt nicht gerecht
geworden." Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, hatte eine
intensive Auseinandersetzung des Kirchenparlaments mit dem Thema
Missbrauch angekündigt.



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ID: 117781 | Quelle: ots | Datum: 10.11.2018

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