Islamischer Staat plante offenbar großen Terroranschlag in Deutschland

 
 
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Hamburg (ots) - Der sogenannte Islamische Staat (IS) hat offenbar
einen großen, bislang unbekannten Terroranschlag in Deutschland
vorbereitet. Über Details berichtet ein deutscher IS-Anhänger, der an
den Anschlagsplanungen direkt beteiligt war, im Interview mit
Reportern von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Demnach sollten 2016
insgesamt drei Teams von Attentätern nach Deutschland reisen, um
einen verheerenden Anschlag vorzubereiten und durchzuführen. Als
eines der möglichen Ziele hatte der IS womöglich bereits ein
Musikfestival ausgesucht. Die Bundesanwaltschaft bestätigte die
Terrorplanungen. "Für uns war die Faktenlage in diesem Fall sehr
konkret und auch belastbar", erklärt Generalbundesanwalt Peter Frank
im Interview mit NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

Nach Angaben des deutschen IS-Anhängers Oguz G., der aus
Hildesheim in Niedersachsen stammt und 2015 nach Syrien reiste, um
sich der Terrororganisation anzuschließen, geriet er zufällig in die
Planungen für den Terroranschlag in Deutschland. "Ich bin da
reingerutscht", sagt er. Als er vom eigentlichen Plan erfuhr, habe er
versucht, "aus der Sache wieder rauszukommen." Nach dem Fall der
ehemaligen IS-Hochburg Rakka hatte sich Oguz G. ergeben. Mittlerweile
sitzt er in einem kurdischen Gefangenenlager in Nordsyrien ein. Dort
stimmte er einem Interview mit den Reportern von NDR, WDR und
Süddeutscher Zeitung zu, weil er behauptet, seine Mitgliedschaft beim
Islamischen Staat mittlerweile zu bereuen.

Oguz G. berichtet, dass er und seine Frau Marcia M., die ebenfalls
aus Deutschland stammt und zum Islam konvertierte, offenbar eine Art
Quartiermacher der IS-Terroristen waren. Ihr Auftrag: die
Rekrutierung von Frauen in Deutschland, die bereit seien, IS-Kämpfer
zu heiraten, um sie später nach Deutschland einzuladen und zu
beherbergen. Anschließend sollten die eingereisten Terroristen dann
den Anschlag in Deutschland vorbereiten und ausführen.

Zu diesem Zweck nahm Marcia M. 2016 über das Internet Kontakt mit
Frauen aus der norddeutschen Islamisten-Szene auf. Was sie nicht
wusste: Eine Kontaktfrau arbeitete für das Bundesamt für
Verfassungsschutz. So gelang es den deutschen Sicherheitsbehörden,
die Anschlagsplanungen mitzuverfolgen. In den abgefangenen
Nachrichten war von mehreren "Paketen" die Rede. Die "Brüder" hätten
eine "sehr wichtige Arbeit" zu erledigen.

Nach den bisherigen Ermittlungen geht der Auftrag zur
Anschlagsplanung offenbar auf einen hochrangigen IS-Funktionär mit
dem Kampfnamen "Abu Mussab al-Almani" zurück. Es soll sich dabei um
den womöglich bei den Kämpfen in Syrien getöteten Schweizer Thomas C.
handeln. Der Mann gilt als der bisher hochrangigste bekannte
IS-Funktionär aus dem deutschsprachigen Raum. Thomas C. soll direkt
für die Abteilung "Externe Operationen" gearbeitet haben, die auch
für die Anschläge in Paris im November 2015 verantwortlich gemacht
wird.

Die Planungen für den Anschlag wurden durch die Ermittlungen und
den Zerfall des "Islamischen Staates" durchkreuzt. Oguz G. und Marcia
M. haben gegenüber dem Bundesnachrichtendienst inzwischen
umfangreiche Angaben zu den Anschlagsplanungen gemacht. Beide warten
nun auf ihre Überstellung nach Deutschland, wo bereits Haftbefehl
gegen sie erlassen wurde.



Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
i.bents@ndr.de



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ID: 114246 | Quelle: ots | Datum: 17.10.2018

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