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Börsen-Zeitung: Überraschende Dax-Stärke, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

 
 
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Frankfurt (ots) - Unverhofft kommt oft. Nach einem enttäuschenden
Jahr 2018 mit einem Minus von rund 18 Prozent hat der Dax in den
ersten acht Wochen des laufenden Jahres einen Auftakt nach Maß
hingelegt. Am Freitag kletterte der deutsche Standardwerteindex
erstmals seit Anfang Dezember 2018 über die Marke von 11.500 Zähler.
Damit hat er seit Jahresbeginn um 9 Prozent zugelegt, seit dem am 27.
Dezember erreichten Tief von 10.279 Punkten sogar 12 Prozent.

Die in ihrem Ausmaß überraschende Rally inmitten eines Umfelds,
das von zunehmenden Sorgen über die Aussichten für die Weltwirtschaft
und die Unternehmensgewinne geprägt ist, verdeutlicht, wie stark die
Aktienmärkte zuvor von dem Handelsdisput zwischen den USA und China
gehemmt worden waren. Es sind vor allem die sich immer mehr
verdichtenden Anzeichen dafür, dass sich die beiden größten
Volkswirtschaften auf einen "Deal" einigen werden, die die Rally
tragen. Hinzu kommt der Schwenk der amerikanischen Notenbank Fed hin
zu einer weniger restriktiven Linie, der die Sorgen abklingen ließ,
dass die Konjunktur durch zu viele Leitzinserhöhungen abgewürgt
werden könnte.

Allerdings haben sich die fundamentalen Daten in den
zurückliegenden Wochen verschlechtert. Die Prognosen für das globale
Wachstum sind weiter zurückgeschraubt worden, insbesondere für den
Euroraum und China. Hinzu kommt die alles andere als berauschende
Berichtssaison der Unternehmen, die gerade in Deutschland zu wünschen
übrig lässt.

Als Folge hat der Markt seine Erwartungen an das Gewinnwachstum
dieses Jahres deutlich zurückgeschraubt. Im Falle des aggregierten
Gewinns je Aktie des Dax ist die Konsensprognose seit Jahresbeginn um
rund 4,5 Prozent gesunken, seit Oktober sogar um nahezu 10 Prozent.
Wie lange und wie hoch kann der Aktienmarkt unter diesen
Voraussetzungen noch steigen, selbst wenn es zu einer Einigung im
Handelskonflikt und eventuell zu einer verträglichen Lösung auch für
den Brexit kommt?

Angesichts der gegensätzlichen Impulse verwundert es kaum, dass
Strategen diese Frage sehr unterschiedlich beantworten. Zu den
Optimisten zählt die Helaba. Ihrer Meinung nach weisen deutsche und
europäische Aktien auch nach dem Anstieg der zurückliegenden Woche
noch ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis auf. Das Institut, das
den Dax im zweiten und dritten Quartal bei 12.700 und 13.000 Zählern
erwartet, glaubt, dass der Schwenk der Fed bereits in den Kursen
enthalten ist, und betont, dass Aktienengagements derzeit auch eine
Wette auf einen positiven Ausgang der Handelsgespräche sind. Es geht
jedoch von einer in den nächsten Quartalen wieder anziehenden
Wachstums- und Gewinndynamik aus. Aktien liefen der
Wirtschaftsentwicklung erfahrungsgemäß rund ein halbes Jahr voraus
und entwickelten im Vorfeld konjunktureller Wendepunkte die höchste
Dynamik. Erste Anzeichen für eine Bodenbildung der konjunkturellen
Frühindikatoren habe zuletzt der dritte Anstieg der
ZEW-Erwartungskomponente in Folge geliefert. Bei den
Unternehmensgewinnschätzungen habe die Abwärtsdynamik zuletzt schon
etwas nachgelassen.

Ganz anders fällt die Lagebeurteilung der Commerzbank aus, die zum
Wochenschluss erklärte, wieder ins "Dax-Bärenlager" zurückgekehrt zu
sein. Das Institut hält den Aktienmarkt für ausgereizt und erwartet
eine Konsolidierung. Der Dax wird sich seiner Einschätzung nach in
den nächsten Monaten größtenteils in einer Bandbreite zwischen 10.200
und 11.400 Punkten bewegen. Viele Einflussfaktoren hätten sich seit
Oktober stark eingetrübt. Die Bank rät dazu, Kursgewinne nach einem
eventuellen Deal im Handelskonflikt zum Abbau von Positionen zu
nutzen.

Neben den deutlich gesunkenen Unternehmensgewinnerwartungen
verweist die Commerzbank auf abnehmenden monetären Rückenwind. Anders
als 2016 sei Chinas Notenbank bisher nicht in der Lage gewesen, das
Wachstum der Geldmenge M1 wieder abzuschieben. Die Autokäufe hätten
im Januar 16 Prozent unter Vorjahr gelegen, eine Schwächung, die nach
Meinung des Instituts bei 0 Prozent Geldmengenwachstum anhalten
könnte.

Ferner sei die flache US-Zinsstrukturkurve zu einem Bärenfaktor
für Aktien geworden und habe sich auch das Geldmengenwachstum in den
USA auf 2 Prozent abgeschwächt. Zudem verweist die Bank auf die
Anlegerstimmung. Der VDax sei von 25 auf 15 gefallen, und das
Verhältnis von Aktienverkauf- zu Aktienkaufoptionen sei in den USA
wieder von 1,2 auf 0,9 gesunken. Dieser frische Optimismus mahne zur
Vorsicht.



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ID: 131459 | Quelle: ots | Datum: 22.02.2019

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