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Börsen-Zeitung: Jenseits des Bankgeschäfts, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Wittkowski

 
 
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Frankfurt (ots) - Die Deutsche Bank ist mehr als die Aufarbeitung
von Rechtshändeln, der Austausch von Vorstandsmitgliedern, die
Verfehlung von Kostenzielen oder der Verfall von Aktienkurs und
Börsenwert. Es ist notwendig, sich das zuweilen bewusst zu machen
oder, wie am Dienstag bei einer Präsentation in der "Digitalfabrik"
der Bank, daran erinnert zu werden. Dass es in Vergessenheit geraten
war, ist ein Resultat der Finanzkrise und ihrer Folgen: Regulierung
bis zum Abwinken und nur schwer zu reparierende Reputationsschäden.
Manch anderem Haus erging es nicht entscheidend besser. Teile der
Branche hatten kaum Zeit, sich um Geschäft und Geschäftsmodell zu
kümmern, viele Kunden wandten sich von Banken ab und den angesagteren
"Gafas" (Google, Apple & Co.) zu.

Bei allem Hype um die Digitalisierung: Das Rad wird ja heute nicht
komplett neu erfunden. Schon im Jahr 2000 hatte sich die Deutsche
Bank (und nicht sie allein) in Richtung "digitale Ökonomie" auf den
Weg gemacht. "Global E" hieß die Initiative, für die die Blauen bis
zu 1 Mrd. Euro jährlich (!) in die Hand nehmen wollten. Von
gemeinsamen Marktplätzen im Internet war die Rede und von zahlreichen
Partnerschaften mit Nichtbanken. Dann kamen ein paar Krisen
dazwischen, und von "Global E" hat man nie wieder etwas gehört.

Eine Generation und, technisch gesehen, ein paar Revolutionen
später hat die digitale Zukunft aufs Neue begonnen. Auch heute stehen
Marktplätze im Internet und Partnerschaften "Beyond Banking" auf der
Agenda. Der Ausflug in die 2016 eröffnete Digitalfabrik im
unwirtlichen Frankfurter Stadtteil Sossenheim, wo - das muss kein
Nachteil sein - weder die dort arbeitenden Menschen noch das Gebäude
auch nur entfernt an eine Bank erinnern, zeitigt interessante
Erkenntnisse.

Erstens: Digitale Ökonomie und Plattformwirtschaft sind keine
Entwürfe für übermorgen, sondern längst mitten im wahren Leben
angekommen. Zweitens: Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, bei
den "tektonischen Veränderungen" der Finanzdienstleistungsmärkte
nicht den Big Techs, Telekoms, Vergleichsplattformen und anderen das
Feld zu überlassen, sondern den direkten Kundenzugang zu verteidigen.
Drittens: Die Bank von heute, spätestens die von morgen, wird, will
sie überleben, keine Bank sein, sondern Alltagshelfer in (fast) allen
Lebenslagen von der Steuererklärung bis zum Concierge-Service.
Fünftens: Nicht jedes hippe Angebot findet sofort seine Nachfrage.
Sechstens: Kostenpläne gelten auch für die pfiffigsten Innovationen.
Das bremst die Entwicklung.



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ID: 117150 | Quelle: ots | Datum: 06.11.2018

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