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Börsen-Zeitung: Enteignet, Kommentar zur Zinspolitik von Bernd Wittkowski

 
 
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Frankfurt (ots) - Die Enteignung der deutschen Sparer durch die
Geldpolitik der EZB ist eine Tatsache. Die Hüter des Euro mögen den
Bundesbürgern die Situation schönzurechnen versuchen, so oft sie
wollen - die Italiener würden durch Niedrigzinsen deutlich stärker
belastet, die Spanier profitierten sogar davon et cetera. Doch um mit
klarem Verstand zu erkennen, welche gigantische Umverteilung von
Gläubigern zu Schuldnern auf der privaten (wie natürlich auch auf der
staatlichen) Ebene in der Eurozone seit Jahren stattfindet und
inwieweit man davon persönlich betroffen ist, bedarf es keiner von
Doktor Draghi verordneten Beruhigungspillen in Form durchsichtiger
wissenschaftlicher Analysen.

Wer sich nicht für dumm verkaufen lassen will, dem genügt ein
Blick auf den Kontoauszug der Tagesgeldanlage oder auf die jährliche
Standmitteilung der Lebensversicherung - entscheidend ist hier der
Vergleich mit den Informationen früherer Jahre - sowie auf die
aktuelle Inflationsrate. Dann weiß jedenfalls der klassische deutsche
Einlagen- oder Versicherungssparer, um wie viel er wieder ärmer
geworden ist - Kopfrechnen reicht.

Wer noch einen "amtlichen" Beleg für die finanzielle Repression
gesucht hat, kann ihn im Monatsbericht der Bundesbank finden. Dort
ist nachzulesen, dass im ersten Quartal erstmals seit sechs Jahren
nun auch die reale Gesamtrendite der privaten Haushalte wieder in
negatives Terrain abgetaucht ist. Das hat noch mal einen zusätzlichen
Symbolwert, die Betroffenheit der typischerweise nach wie vor in
hohem Maße auf Bankeinlagen fokussierten deutschen Sparer ist aber
grundsätzlich nicht neu. Sie wurde in den vergangenen Jahren im
statistischen Durchschnitt durch die positiven Wertpapierrenditen
überdeckt. Doch auch diese "folgten zuletzt einer Abwärtstendenz",
wie die Bundesbank so schön formuliert.

Die DZ Bank hat jüngst in einer Studie die Wertverluste der
privaten deutschen Haushalte durch die negative Realverzinsung
festverzinslicher Anlagen nach "Rückkehr" der Inflation für 2018 und
2019 vorausgesagt: 44 Mrd. respektive 46 Mrd. Euro werden sich
demnach in Wohlgefallen auflösen. Wer regelmäßig bei Veröffentlichung
der Statistiken zur Geldvermögensbildung in der Zeitung liest, die
Deutschen seien wieder reicher geworden, sollte sich nicht täuschen.
Die Bundesbürger sparen zwar gegen die Enteignung an. Aber die realen
Verluste stehen nicht nur auf dem Papier. Sie sind echt und werden
viele, deren Vorsorgeplanung ohnehin auf Kante genäht ist, in die
Altersarmut treiben.



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ID: 106890 | Quelle: ots | Datum: 20.08.2018

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