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BERLINER MORGENPOST: Mehr Mut bitte / Leitartikel von Kerstin Münstermann zur Jungen Union

 
 
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Berlin (ots) - Die Junge Union ist eine riesige Organisation. Mit
rund 110.000 Mitgliedern deutlich stärker als beispielsweise die
Grünen. Doch wirkliche Strahlkraft hat die Jugendorganisation von CDU
und CSU nicht entfaltet. Besonders in den vergangenen Jahren des
CDU-Vorsitzes von Angela Merkel hatten die Jungen vor allem ein
Thema: sich konservativer als die Kanzlerin zu präsentieren. Gegen
die Flüchtlingspolitik sein.

Die Merkel-Kritiker wie der heutige Bundesgesundheitsminister Jens
Spahn - für die Junge Union stets ein "Vorsitzender des Herzens" -
oder CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wurden in Dresden 2017
auf dem traditionellen Deutschlandtag begeistert gefeiert, Merkel nur
kühl begrüßt. In Kiel im Herbst 2018 stimmten die Delegierten dafür,
die Amtszeit des deutschen Regierungschefs auf drei Wahlperioden zu
begrenzen - es war eine verkappte Rücktrittsforderung an die
Kanzlerin. Auch intern wurde stets heftig gestritten, vor allem mit
dem bayerischen Landesverband gab es heftiges Gerangel.

Nun aber gibt es eine Chance: Die neue CDU-Vorsitzende Annegret
Kramp-Karrenbauer führt die CDU in eine konservativere Richtung,
bindet die Partei mehr ein, ist damit eher eine Parteichefin im Sinne
der JU. Auch dem neuen CSU-Chef Markus Söder ist die Basis wichtig.
Der neue JU-Vorsitzende Tilman Kuban muss diese Gelegenheit schnell
für einen Aufbruch nutzen. Wichtige Themen dieser Zeit sind ohnehin
Diskussionen, für die sich Jüngere interessieren: Umwelt- und
Klimaschutz etwa, außerdem die Digitalisierung.

"Ich liebe die Junge Union. Es ist die authentischste
Jugendorganisation, die mitten im Leben steht", gab der scheidende
Vorsitzende Paul Ziemiak am Schluss seiner Rede in Berlin zu
Protokoll. Jugend ist aber vor allem authentisch, wenn sie
unverkrampft, mutig, mit neuen - auch unkonventionellen - Ideen nach
vorne geht.

Man muss die Aktionen der 16-jährigen Greta Thunberg und ihre
"Fridays for Future"-Bewegung nicht begeistert aufnehmen, darf
durchaus daran erinnern, dass es am Freitagvormittag eine
Schulpflicht gibt. Aber Häme oder Spott, wie sie manchmal auch bei
der JU durchscheint, sind völlig unangebracht. Die 16-jährige
Schwedin hat es geschafft, die Jugend weltweit auf die Straßen zu
bringen. Den Schutz des Klimas zu einem bestimmenden Thema zu machen.
Davon kann sich die JU durchaus einiges abschneiden. Sich nur an der
eigenen Partei abzuarbeiten reicht nicht aus.

Die JU ist konservativer als die Mutterparteien CDU und CSU. So
wie die Jusos linker sind als die SPD. Manch ein JUler blickt
neidisch auf den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Der hat es immerhin
vermocht, seine Jugendorganisation gewissermaßen zum Zünglein an der
Waage zu machen, etwa in der Frage der Koalitionsverhandlungen mit
der Union. Die Junge Union muss mit eigenen Vorschlägen auch in den
Unionsparteien, in den Fraktionen mehr Einfluss gewinnen.
Generalsekretär Ziemiak hat auf den letzten Metern noch eine Position
seiner Partei zum Thema Uploadfilter erarbeitet. Er wusste, welche
Sprengkraft dieses Thema bei der jüngeren Generation hat. Damit hat
er der CDU massive Kritik des JU-Plenums erspart.

Und er hatte noch einen guten Rat für seinen Nachfolger: "Lasst
uns nicht über die sprechen, die die Werte des Grundgesetzes nicht
mittragen", sagte er mit Blick auf die AfD. "Lässt uns über uns
sprechen und herausstellen, was der eigentliche Kern ist." Richtig.
Und der sollte bei der Jungen Union nicht nur konservativ, sondern
eine wirkliche Stimme der Jüngeren und ihrer Anliegen sein.



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Telefon: 030/887277 - 878
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ID: 134439 | Quelle: ots | Datum: 16.03.2019

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