BERLINER MORGENPOST: Berlins Fußballvereine müssen 5000 Kinder abweisen

 
 
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Berlin (ots) - Von Jörn Lange und Sebastian Stier

Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ist in der
Stadt allgegenwärtig. Der Berliner Fußball-Verband (BFV) schlägt
Alarm. "Wir sprechen aktuell von rund 5000 Kindern, die nicht in die
Vereine können. Die Vereine sind längst an ihrer Grenze der Kapazität
angekommen, und das Problem wird sich in Zukunft nur verstärken",
sagt Gerd Liesegang, der Vizepräsident des BFV, der Berliner
Morgenpost (Sonntag).

"Wir rechnen mit mehreren Tausend Menschen, die pro Jahr nach
Berlin ziehen und dann auch Sport treiben wollen, aber gerade in der
Innenstadt wurden viele Flächen verschenkt." Mitte und
Friedrichshain-Kreuzberg liegen mit der Zahl ihrer Sportplätze weit
unter dem Orientierungswert des Senats. Dass Vereine ihren
Trainingsplatz achteln, um die vielen Nachwuchsteams unterzukriegen,
ist daher keine Seltenheit - und selbst diese Notlösung reicht nicht.

Gerd Thomas würde die Zahl der unversorgten Kinder sogar noch
höher ansetzen. Als 1. Vorsitzender des FC Internationale in
Schöneberg kennt er die Engpässe zur Genüge. Trotz 35 Jugendteams
muss der Verein immer wieder Kinder abweisen. Entweder fehlt es an
Platz oder an Trainern, schlimmstenfalls an beidem, weil die
Perspektive für junge, ambitionierte Übungsleiter auf kleiner Fläche
begrenzt ist. Mit Kopfschütteln beobachtet Thomas, wie am Südkreuz
oder am Innsbrucker Platz Tausende neue Wohnungen entstehen, aber
keine neuen Sportflächen geplant werden.

Die Probleme der einzelnen Vereine gleichen sich, die
Lösungsansätze nicht unbedingt. Manch einer gibt sich genügsam und
rückt auf engstem Raum zusammen. "Man muss mit dem leben, was da
ist", sagt Elias Bouziane, Jugendleiter von Viktoria Mitte. Andere,
wie der SV Empor aus Prenzlauer Berg, bieten für all jene, die keinen
Platz in den Spielbetriebs-Mannschaften finden, einmal pro Woche ein
Freizeittraining an. Wieder andere setzen schon bei den jüngsten
knallhart auf das Leistungsprinzip. Bei Askania Coepenick wird
genommen, wer das meiste Talent hat. Was unterm Strich bleibt, ist
Frust. "Der Andrang ist groß", sagt Julien Fiebach aus der
Jugendleitung von Berolina Mitte, "dem können wir nicht mehr in allen
Altersklassen gerecht werden."

Den Berliner Amateuren, einem Kreuzberger Traditionsklub, geht's
laut Jugendleiter Herbert Komnik nicht anders. Dass der Klub
zusätzlich Flächen bekommt, ist unwahrscheinlich, allein schon wegen
der Knappheit auf dem Wohnungsmarkt. Bei der Nachverdichtung sind
freie Flächen in zentralen Lagen ein gefragtes Gut. Sportvereine
haben hingegen oft genug mit Beschwerden von Anwohnern zu kämpfen,
denen das Treiben auf den Plätzen zu laut ist. Wer es nicht mit dem
Sport hält, wünscht sich mitunter Neubauten anstelle von Bolzplätzen,
übersieht dabei aber die soziale Komponente des Sports.

Bei der Frage, wie viel Sportplätze sich Berlin leisten will, geht
es schließlich um weit mehr als die Suche nach dem nächsten Jerome
Boateng. Es geht um Orte, an denen man fürs Leben lernt, weil neben
sauberem Passspiel auch Teamfähigkeit, Fairness, Durchhaltevermögen
und vieles andere mehr vermittelt wird.



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ID: 113616 | Quelle: ots | Datum: 14.10.2018

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