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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu den Änderungen bei Arvatro

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Bielefeld (ots) - Eines steht fest: Fernando Carro hat mit dieser
Entwicklung nicht gerechnet. Von außen betrachtet kann man durchaus
den Eindruck haben, als wären die Ablösung des Managers und die neue
Konzernstruktur der Bertelsmann-Tochter Arvato von langer Hand
geplant. Doch hätte der Katalane, der über gute Kontakte zum
spanischen Königshaus verfügt und beim FC Barcelona eine Dauerkarte
besitzt, geahnt, dass er in Gütersloh bald nicht mehr gebraucht
wird, er hätte mit Sicherheit seine Familie nicht nach OWL geholt.
Jedenfalls fällt es schwer, zu glauben, dass die Trennung wirklich
»in bestem gegenseitigen Einvernehmen« beschlossen worden ist. Der
kritische Blick auf die menschliche Seite dürfte sich dadurch etwas
entspannen, dass Carro sicherlich eine Abfindung erhält, die der
langen Betriebszugehörigkeit und seinen Leistungen für Bertelsmann
angemessen ist. Die Machtverhältnisse waren schon vorher klar. Carro
hatte sein Büro in Gütersloh nicht mehr, wie alle seine Vorgänger,
jenseits der Autobahn A2, sondern in der Zentralverwaltung. Vor
geraumer Zeit war der Job an der Spitze des Geschäftsbereichs
Bertelsmann Industrie, aus der Arvato hervorgegangen ist, eine gute
Voraussetzung, um im Konzern ganz an die Spitze zu kommen. Hartmut
Ostrowski war der letzte, der diesen Weg gegangen ist. Er übergab
Ende 2011 an Thomas Rabe, der bald darauf das Druckgeschäft
ausgliederte. Arvato wurde auf diese Weise ein schwieriges Geschäft
los, verlor aber zugleich Mitarbeiter, Umsatz und damit
möglicherweise Einfluss. Trotzdem blieb das Unternehmen natürlich
weiter, was die Mitarbeiterzahl betrifft, die mit Abstand größte
Geschäftseinheit. Durch ihre starke Stellung als Arbeitgeber am
Konzernsitz kommt ihr noch zusätzlich eine besondere Bedeutung auch
für die Eigentümer zu. Mit dem Ausscheiden Carros, der keinen
direkten Nachfolger erhält, wird eine Managementebene fast ganz
gestrichen. Von den Chefs der Tochterfirmen sind künftig nur noch
Markus Dohle als Boss der Buchverlagsgruppe Penguin Random House und
RTL-Chefin Anke Schäferkordt im Konzernvorstand vertreten - also
ausgerechnet jene Manager, die Einheiten vorstehen, an denen
Bertelsmann nur beteiligt ist, wenn auch mit satten 75 Prozent. Was
Carros Demission und die strukturellen Änderungen für die
einzelnen Mitarbeiter bedeuten, lässt sich nur vermuten. Ihre
direkten Chefs heißen ohnehin, nachdem die »Solution Groups«
(wörtlich: Lösungsgruppen) immer stärker geworden sind, Schirrmeister
oder Kebsch oder Krohn oder Moeller. Insofern können sich Rabe und
der Bertelsmann-Aufsichtsrat bei der Personalentscheidung sogar auf
Reinhard Mohn berufen. Dessen Ziel war es immer, zu dezentralisieren
und Verantwortung möglichst an diejenigen zu delegieren, die ganz nah
am Geschäft sind.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

ID: 60111 | Quelle: ots | Datum: 14.07.2017

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