Mittelbayerische Zeitung: Abmühen fürs Klima / Beim Klimagipfel ist vor allem beharrliche Kärrnerarbeit zur Umsetzung des Zwei-Grad-Zieles gefragt.

Mittelbayerische Zeitung: Abmühen fürs Klima / Beim Klimagipfel ist vor allem beharrliche Kärrnerarbeit zur Umsetzung des Zwei-Grad-Zieles gefragt.

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Regensburg (ots) - Heute beginnt in Bonn die zweiwöchige
Klimakonferenz. Doch anders als vor zwei Jahren in Paris, wo sich
erstmals nahezu alle Staaten zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5
bis zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts verständigt hatten, sind
diesmal keine bahnbrechenden Beschlüsse zu erwarten. Gefragt ist
vielmehr beharrliche Kärrnerarbeit der Diplomaten und
Wissenschaftler. Es geht, wenn man so will, um das Ehrlichmachen. In
Paris wurde zwar ein umjubeltes, hehres Ziel festgeschrieben, doch
dabei handelte es sich im Grunde um eine schöne Absichtserklärung.
Der Weg und die Zwischenschritte zu einer nachhaltigen Begrenzung der
Erderwärmung, die Kontrollmethoden, Berichtspflichten der
Vertragsstaaten und viele wichtige Details mehr, müssen nun in Bonn
festgezurrt werden. Alle Beteiligten aus rund 200 Ländern werden sich
abmühen müssen, damit die derzeitige Klimakrise auf unserem Erdball
nicht zum Kollaps führt. Anfeindungen und Rückschläge gab und gibt es
dabei zuhauf. Die internationale Klimapolitik ist langsamer als eine
Schnecke. Über zwei Jahrzehnte kam der erste wirkliche Anfang, der
Kyoto-Prozess, kaum von der Stelle. Vielfach wurde seinerzeit
überhaupt die Gefahr bestritten, die von immer mehr Treibhausgasen,
vor allem Kohlendioxid, in der Atmosphäre ausgeht. Bis auf eine
handvoll eingefleischter Leugner und Pseudowissenschaftler bestreitet
heute kein ernstzunehmender Experte mehr den Klimawandel. Die Debatte
geht viel mehr darum, wie schnell der Klimawandel fortschreitet und
wie hart gegengesteuert werden kann und muss. Die riesige
Wirtschafts- und Kohlemacht China, das Land mit dem höchsten Ausstoß
an Treibhausgasen, und andere aufstrebende Länder wie Indien,
Südafrika oder Brasilien sitzen nicht mehr im Bremserhäuschen der
Klimapolitik. Um so bitterer ist es, dass US-Präsident Donald Trump
den Ausstieg der USA, dem Land mit dem zweitgrößten Ausstoß, aus dem
Pariser Abkommen verfügte. Der Präsident hält den Klimawandel allen
Ernstes für "Fake News", eine Erfindung von Europäern und Chinesen,
um der US-Wirtschaft zu schaden. Damit entsteht die schizophrene
Situation, dass US-Diplomaten zwar in Bonn mit am Verhandlungstisch
sitzen, doch ihr Votum kaum noch etwas zählt. Auch innerhalb der USA
ist die Lage widersprüchlich. Während Trump grünes Licht für mehr
Kohleabbau- "clean coal", also angeblich saubere Kohle - oder für die
Förderung von Schiefergas gibt, treiben US-Bundesstaaten und
innovative Unternehmen die Nutzung erneuerbarer Energiequellen
kräftig voran. Von den Parteien in Deutschland bestreitet nur die
AfD, dass der dramatisch gestiegene, von Menschen verursachte Ausstoß
von Treibhausgasen Ursache der Klimaveränderung ist. Gauland, Weidel
und Co. liegen damit auf einer Linie mit Trump. Deutschland wiederum
war lange Zeit Vorreiter beim Klimaschutz. Doch diese Rolle spielt es
nun leider nicht mehr. Aller düsterer Voraussicht nach wird das
Nahziel - die Emissionen im Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem
Stand von 1990 zu reduzieren - klar verfehlt werden. Das ist kein
Ruhmesblatt und schon gar kein Vorbild für die anderen. Zugleich
haben sich die vier potenziellen Jamaika-Partner am Thema Klimaschutz
festgebissen. Die Grünen fordern kategorisch rasche
Kraftwerksabschaltungen und Verbote für Verbrennungsmotoren, ohne die
sozialen Verwerfungen zu bedenken, die das nach sich ziehen würde.
Union und FDP wiederum würden eher die Klimaziele aufweichen, ehe sie
Wirtschaft und Verbraucher zu weniger Energieverbrauch und damit
weniger Treibhausgasen drängen würden. Hoffentlich entfaltet der
Bonner Klimagipfel Druck auf die Koalitionäre, endlich einen
vernünftigen Kompromiss für den Klimaschutz zu schmieden. Das wäre
enorm wichtig auch für den internationalen Klimaprozess.



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ID: 69872 | Quelle: ots | Datum: 05.11.2017

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