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Börsen-Zeitung: Verlockende US-Bewertung, Kommentar zu Siemens von Michael Flämig

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Frankfurt (ots) - Die Zukunft der Medizintechnik beschäftigt
Siemens schon lange. Erst wurde die Division selbständig aufgestellt,
dann im vergangenen November die Börsennotierung angekündigt. Seitdem
hat sich das Management viel Zeit gelassen, die Pläne zu
konkretisieren. Nachdem der Zusammenschluss mit einem börsennotierten
Konkurrenten nicht geklappt hat, soll die Division im nächsten Jahr
per IPO aufs Parkett gehen.

Für den Kapitalmarkt ist die Erstnotiz ein Riesending, schließlich
könnte ein Emissionsvolumen in zweistelliger Milliardenhöhe auf die
Investoren zukommen. Deutschland allerdings droht leer auszugehen.
Das Management hat sich zwar noch nicht öffentlich festgelegt,
präferiert aber eine Notierung in den USA.

Lokalpatriotismus mag in der globalisierten Welt fehl am Platze
sein. Trotzdem entginge mit einer möglichen US-Notierung dem
Finanzzentrum Frankfurt die Chance, sich weiter zu stärken.
Schließlich hätte die heutige Siemens-Sparte gute Chancen, in den
Leitindex Dax einzuziehen. Stattdessen würden künftig US-Investoren
großen Einfluss gewinnen - zumal es keine ausgemachte Sache ist, dass
Siemens längerfristig die Mehrheit hält. Die Medizintechnik müsste
sich darüber hinaus komplett den rechtlichen Regularien in den
Vereinigten Staaten unterwerfen. Der Siemens-Konzern hat sich mit
guten Gründen diesem Korsett durch das Einstellen seines New Yorker
Listings entzogen.

Letztlich zählt aber für Siemens nur die Bewertung. In den USA
winkt mehr Geld pro Aktie. Ein Jammer aus deutscher Sicht, aber auch
ein Faktum. Je höher die Bewertung, umso leichter kann die Sparte
ihre künftige Expansion finanzieren. Außerdem bietet der
amerikanische Aktienhandel für Medizintechnikwerte potenziell eine
höhere Liquidität. Die USA sind außerdem ein wichtiger Absatzmarkt
der Siemens-Sparte.

Der eigenständige Weg der Medizintechnik ist bereits so lange
vorgezeichnet, dass er kaum mehr hinterfragt wird. Dabei ist dies ein
enormer Einschnitt in der Siemens-Historie. Einerseits ist die
Trennung folgerichtig, schließlich gibt es kaum Synergien zum
industriellen Kerngeschäft. Andererseits hat die Sparte mit ihrem
berechenbaren und wenig konjunktursensiblen Geschäft in den
vergangenen Jahren den Konzern immer dann stabilisiert, wenn eine
Wirtschaftskrise hereinbrach. In der Zukunft werden die Erträge und
vor allem der hohe Cash-flow teilweise fehlen. Damit könnte Siemens
volatiler werden. Dies lässt sich nur verhindern, wenn der auf den
Eigentümer entfallene Emissionserlös gut eingesetzt wird.



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ID: 61528 | Quelle: ots | Datum: 03.08.2017

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