Börsen-Zeitung: Der Dax hebt ab, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Börsen-Zeitung: Der Dax hebt ab, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

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Frankfurt (ots) - Die Aktienmärkte sind in eine neue Phase
eingetreten. War ihre Aufwärtsbewegung zuvor noch relativ verhalten,
geben sie seit Ende August Gas.

In allen drei Zeitzonen haben führende Indizes Rekordhöhen
erreicht, der japanische Nikkei ist auf den höchsten Stand seit dem
Jahr 1996 gestiegen. Getrieben wird die Hausse von robusten
Konjunkturdaten und Unternehmensgewinnen. Das zieht Investoren gerade
in einem Umfeld niedriger Zinsen und dadurch mangelnder
Anlagealternativen an. Zudem erhöht sich mit zunehmenden Kursgewinnen
auch der Performance-Druck auf Anleger, die sich bislang an den
Aktienmärkten zurückgehalten haben.

Vielfältige weitere Impulse kommen hinzu. So ist die
Trump-Fantasie zurück, seit der US-Präsident die Steuerreformpläne
vorantreibt. Die Europäische Zentralbank hat deutlich gemacht, dass
ihre Geldpolitik auch nach der Senkung ihrer monatlichen
Anleihekaufvolumina noch lange ultraexpansiv bleibt. In Japan besteht
seit dem Wahlsieg von Premierminister Abe die Gewissheit, dass seine
Konjunkturimpulse setzende, "Abenomics" genannte Wirtschaftspolitik
fortgesetzt wird. In Indien sprang der Hauptindex auf ein Rekordhoch,
nachdem staatliche Banken rekapitalisiert worden waren und die
Regierung ein umfangreiches Infrastrukturinvestitionsprogramm
angekündigt hatte.

Die Börsen-Rally hat sich nicht nur verstärkt. Sie wird auch
zunehmend synchron. Unter anderem hat der Aufschwung nun auch den
lange Zeit unter dem stärkeren Euro leidenden Dax erfasst. Der Index,
der sich im Oktober wochenlang schwergetan hatte, die Schwelle von
13.000 Zählern zu überwinden, hat mit der Marke von 13.500 Punkten
kurzen Prozess gemacht. Am Freitag erreichte er ein Rekordhoch von
13.505 Zählern. Seine Gewinne seit Jahresanfang summieren sich auf
17,4 Prozent.

Der Index könnte durchaus seine prächtige Bilanz, was die
Performance im vierten Quartal trifft ausbauen. Seit 1988 hat er nur
dreimal in den letzten drei Monaten Jahre schwach tendiert. Im
Durchschnitt hat der Index in den drei letzten Monaten um 8 Prozent
zugelegt. Im laufenden Schlussquartal konnten Dax-Investoren bislang
einen Ertrag von 5,1 Prozent einfahren.

Allerdings gibt es einen Haken. Bis zum Sommer konnte angesichts
der eher gemächlichen Gangart der Aufwärtsbewegung und der durchaus
nicht euphorischen Stimmungslage für Aktien auch ins Feld geführt
werden, dass es kaum Anzeichen eines bedenklichen und auf
Rückschlagrisiken hindeutenden Überschwangs gebe. Das könnte sich nun
ändern, vor allem, wenn die Aktienmärkte in den nächsten Wochen mit
dem gleichen Tempo zulegen würden.

Zudem gehen, was die Bewertungen betrifft, zunehmend Warnlampen
an. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dax auf Basis der
Konsensgewinnschätzungen für das Jahr 2017 hat nun die Marke von 15
erreicht und liegt damit deutlich über seinem Zehnjahresdurchschnitt.
Zu Jahresbeginn lag es noch bei 13,4, was anzeigt, dass trotz der
positiven Gewinndynamik die Kurse immer noch stärker steigen als die
Unternehmensgewinne. Das KGV für das Jahr 2018 hat sich seit dem
Jahresauftakt von 12,3 auf nahezu 14 erhöht.

Damit kann jedoch nicht mehr konstatiert werden als eine erhöhte
Anfälligkeit für negative Überraschungen. Das deutlich aufgehellte
Konjunktur- und Profitabilitätsbild ist nun in den Kursen
berücksichtigt. Allein das wird aber nicht zwangsläufig einen Marsch
des Dax auf die Schwelle von 14.000 verhindern. Schon gar nicht ist
unter den gegenwärtigen Vorzeichen eine heftige Korrektur in
absehbarer Zeit unausweichlich.

Der Aktienmarkt ist nach wie vor meilenweit von einem Zustand der
auch die Massen erfassenden Euphorie wie zur Jahrtausendwende
entfernt. Das Gleiche gilt für die Bewertungen - und zwar auch in der
Internet- bzw. Technologiebranche. Die sogenannten FAANG-Aktien -
dahinter verbergen sich Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Alphabet
(Google) - sind zwar extrem hoch bewertet. Im Gegensatz zu vielen
während der Dotcom-Blase gehypten Titel haben sie funktionierende
Geschäftsmodelle uns sprudelnde Einnahmen.

Dennoch wird es - gerade unter dem Aspekt langfristig erwartbarer
Anlageerträge - Zeit, Aktien kritischer zu betrachten, als dies noch
vor einem Jahr der Fall war. Eine Bewertungskennzahl befindet sich im
Übrigen bereits auf Dotcom-Blasen-Niveau, wie die Helaba am Freitag
in ihrem Ausblick anmerkte. Das Kurs-Cash-flow-Verhältnis des
deutschen Aktienmarkts hat mit 8,4 den Spitzenwert aus dem Jahr 2000
erreicht.



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ID: 69794 | Quelle: ots | Datum: 03.11.2017

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