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Börsen-Zeitung: Der behutsame Fed-Kurs, Marktkommentar von Kai Johannsen

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Frankfurt (ots) - Von der US-Notenbank Federal Reserve sind die
Marktteilnehmer in Sachen Zinspolitik und diesbezüglicher
Kommunikation so einiges gewöhnt. Vor allem, dass die Fed Vorsicht
walten lässt bzw. geradezu übervorsichtig agiert, was an den Märkten
über weite Strecken nur noch auf Unverständnis stieß. Jahrelang
scheute bzw. sträubte sich die Fed geradezu dagegen, überhaupt die
erste Zinsanpassung nach oben vorzunehmen. Irgendetwas passte immer
nicht ins Kalkül und ließ die Verantwortlichen bei der US-Zentralbank
immer wieder in die Defensive gehen.

Da war es die Konjunkturentwicklung im Allgemeinen, die keine
Zinsanpassung nach oben vertragen würde, weshalb man lieber noch mal
weitere Makro-Daten abwarten wollte, die zeigen sollten, ob der
Aufschwung denn auch robust genug und selbsttragend ist. Passten die
Konjunkturdaten im Allgemeinen, war es der Arbeitsmarkt im
Speziellen, der zur Vorsicht mahnte. War die Zahl der neu
geschaffenen Stellen nach dem Geschmack der Fed, gefiel ihnen die
Arbeitslosenquote noch nicht, sie sollte sich erst noch weiter
verbessern. Dann waren es die Stundenlöhne, die im Urteil der Fed
nicht genügend zulegten und die damit zeigten, dass vom Aufschwung
nicht genügend im Portemonnaie der Arbeitnehmer ankommt. Dann war es
die Inflation, die nicht so richtig anspringen wollte. Darüber hinaus
bereiteten die fragilen Verhältnisse an den Finanzmärkten
Kopfzerbrechen, oder der Ölpreis trieb Fed-Chefin Janet Yellen und
Kollegen Sorgenfalten auf die Stirn. Befürchtungen, Chinas Wirtschaft
könnte unter US-Zinsanhebungen leiden, ließen die US-Währungshüter
genauso zurückhaltend taktieren wie die Angst, dass alle
Schwellenländer zusammen unter dem Kapitalabzug aufgrund der
Leitzinsanpassungen in den USA Schwierigkeiten bekommen könnten.
Darüber hinaus waren die Staatsschuldenkrise in der Eurozone, die
allgemeinen geopolitischen Risiken, die Entwicklungen in Russland und
dergleichen mehr Grund genug für die Fed, mit Zinsschritten noch zu
warten.

Ende 2015 hat die Fed dann endlich den lang erwarteten Zinsschritt
nach oben vorgenommen und das Leitzinsniveau in den USA in der
Folgezeit auf die mittlerweile geltende Spanne von 1 bis 1,25%
angehoben. So mancher Akteur hatte sich für dieses Jahr noch auf ein
oder zwei weitere Schritte eingestellt und für 2018 weitere zwei oder
drei Zinsanhebungen einkalkuliert. Gleichzeitig wurde bei den meisten
Analysten davon ausgegangen, dass die Fed auch mit dem Abbau ihrer
billionenschweren Bilanz beginnt. Und nun? Nun stellt Fed-Chefin
Yellen in Aussicht, dass die Zinsen in den USA "nicht mehr allzu
weit" steigen müssten, um eine neutrale Rate zu erreichen, die die
US-Wirtschaft im Gleichgewicht hält, und stimmt die Märkte damit auf
einen behutsamen Kurs von Zinserhöhungen ein. Anders formuliert: In
den US-Zinserhöhungsprozess kommt nun die altbekannte Vorsicht rein.
Ergebnis an den Märkten: Die Bondrenditen fallen wieder zurück, denn
wenn die Fed nicht mehr allzu weit erhöhen wird, werden die
Anleiherenditen auch nicht mehr so weit in die Höhe steigen müssen,
wie das bei stärkeren Leitzinsanpassungen nach oben im Allgemeinen
erwartet worden wäre.

Nur einen Tag später legt Yellen noch mal nach: Für die USA wird
es eine Herausforderung sein, 3% Wirtschaftswachstum in den nächsten
Jahren zu erreichen. Mit anderen Worten: Das Wirtschaftswachstum wird
nicht mehr so robust wie in den vergangenen Jahren ausfallen, und
dieses geringe Wachstum will die Fed auf gar keinen Fall abwürgen -
so könnte die Lesart auch sein. Darüber hinaus dürften der Fed auch
die Statistiken bekannt sein, aus denen hervorgeht, dass sich der
laufende Aufschwung in den USA nun schon im neunten Jahr befindet.

Kaum Pulver vorhanden

Und das ist das Problem. Die Fed hat es versäumt, in den Jahren
des Aufschwungs Pulver zur Seite zu legen, sich einen Spielraum bei
den Zinsen zu verschaffen, den sie dringend benötigen wird, wenn die
Konjunktur mal nicht mehr rund läuft und der Abschwung auf der
Tagesordnung steht. Wenn es so weit ist, wird die Fed nur wenig
Zinsspielraum haben, um der Wirtschaft mit Senkungen des Leitzinses
unter die Arme greifen zu können. Das ist die Kehrseite der Vorsicht!
Dadurch, dass Yellen jetzt das Tempo aus den Zinserhöhungen nimmt,
den Märkten signalisiert, dass in dieser Hinsicht nicht mehr viel
kommt, hat sie im Grunde genommen jetzt schon in der Zinspolitik die
Voraussetzungen für die Rolle rückwärts geschaffen. Wann sie
eingeleitet wird, ist nur noch eine Frage der Zeit, d.h. wann der
Abschwung beginnt.



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ID: 60112 | Quelle: ots | Datum: 14.07.2017

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